Freundeskreis Frank Weber

 
Frank Weber kam 1985 nach Bolivien und lernte dort Straßenkinder kennen. Er teilte mit ihnen vier Monate lang das Leben auf der Straße und kaufte dann aus eigenen Ersparnissen eine Bauruine. Aus einem beinahe chancenlosen Start im Jahre 1985 entwickelte sich ein Projekt, das international große Beachtung findet und Modellcharakter besitzt: die „Casa Nuevo Amanecer“ („Haus Neue Zeit“) sowie das „Centro Educativo Richard von Weizsäcker“ (Bildungszentrum)
Frank Weber schreibt: “Mir war es stets wichtig, dass es keine „deutsche“ oder „katholische“ Schule werden sollte, sondern vielmehr eine „bolivianische“ Schule, von Bolivianern für Bolivianer. Selbstverständlich sind dennoch deutsche oder kirchliche Merkmale wahrzunehmen - alleine schon wegen meiner per-sönlichen Historie, meines persönlichen Hintergrundes. Auch die notwendigen Hilfen für Aufbau und Bestand der Schule, kommen zumeist aus Deutschland.“
Strukturell ist die Schule über drei Jahrzehnte gewachsen. Von einer kleinen unscheinbaren Schule mit wenigen dutzend Schülerinnen/Schülern und einer Handvoll Lehrkräften hin zu einer ansehnlichen Einrichtung mit über 600 Schülerinnen/ Schülern und 40 Lehrkräften.
Vater eines ehemaligen Schülers: „Frank, Bolivien dankt dir mit jeder Familie, die die Möglichkeit zur Ausbildung an deiner Schule hatte. Die Schule ist ein gigantisches Werk.“
2021 verabschiedeten die Lehrerinnen und Lehrer der Schule den 22. Abiturjahrgang mit über 40 Schülerinnen und Schülern. 
Frank Weber adoptierte 37 Kinder und Jugendliche und gab ihnen ein Zuhause. Er ist heute mehrfacher Großvater von den Kindern seiner ehemaligen Schützlinge. Frank Weber staunt zuweilen selbst, was möglich ist, wenn man Durchhaltevermögen beweist und Treue zu den Menschen hält. Weber wurde mit mehreren Auszeichnungen bedacht für seine humanitäre Arbeit wie auch für seine Leistungen im kulturellen Bereich. Für ihn nicht der Grund seines Schaffens, aber sicherlich zeigt es, dass sein Einsatz sehr wohl wahrgenommen wird. Dies ist wichtig in Zeiten des politischen Umbruchs in Bolivien. 
Die sozialistische Regierung stellte die demokratischen Spielregeln immer mehr in Frage, was auch für die schulische und akademische Ausbildung zunehmend Auswirkungen hatte - und damit auf die Arbeit des Richard-von-Weizsäcker-Gymnasiums. Aus den Lehrplänen wurden zunehmend politische Programme, um eine neue, eine der politischen Führung konforme Generation von Bolivianern zu schaffen. 
Die Wahlen im Oktober 2020 haben die MAS – Partei des Evo Morales – wieder an die Macht gebracht. Dies wird auf Zukunft gesehen, die Arbeit in der Schule nicht erleichtern.
Durch die Covid-19 Pandemie ist seit März 2020 kein Präsenzunterricht mehr möglich und es ist auch nicht absehbar, zu welchem Zeitpunkt der normale Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Zurzeit findet ausschließlich virtueller Unterricht statt für alle Klassen.
 
Ein Schulplatz an der Richard von Weizsäcker Schule ist seit jeher sehr begehrt. Das hat mit der Qualität der schulischen Ausbildung zu tun, mit den außerschulischen Angeboten und mit dem familiären Miteinander, das von allen sehr geschätzt wird.
Was einst als Haus für Kinder und Jugendliche ohne Zuhause entstand, wollte und sollte nie eine „Insel der Glückseligen“ für einige Wenige sein, sondern das Glück sollte geteilt werden mit den vielen Menschen im Stadtteil und in der Region. Dies ist gelungen mit einem breit angelegten Sozialprojekt, das Menschen in vielen Lebensbereichen Schutz und Hilfe bietet - dazu gehören Familienberatung, Fortbildung, Gesprächskreise. Außerdem bietet das Gymnasium Instru-mental-unterricht, Chor und Orchester sowie Kurse im Bereich Multimedia und audiovisuelle Ausbildung.
 
In Bolivien geraten Eltern und ihre Kinder oft in schwierige Situationen. Eine Erkrankung, ein Unfall, der Verlust des – meist informellen - Arbeitsplatzes, bringt Familien schnell in große Not. Die Bezahlung von notwendigen Arztbehandlungen, Medikamenten oder Brillen sind oft kaum zu stemmen. Aber auch kleine und kleinste notwendige Anschaffungen wie beispielsweise Schulmaterial oder Fahrgeld für den Schulweg, lassen Familien an ihre finanzielle Grenzen stoßen. In Zeiten des virtuellen Unterrichts kommen Kosten für Internet und Endgeräte hinzu. 2013 gründete die Schulleitung gemeinsam mit den Eltern den „Fondo solidario“, den „Solidaritätsfonds“. Er bietet besonders bedürftigen Familien innerhalb der Schulfamilie in schwierigen Situationen finan-zielle Hilfe. Es geht nicht um komplette Kostenübernahmen, sondern um Unterstützung in ernsten finanziellen Notlagen.
Ans Aufgeben denkt Frank Weber nicht ans Aufgeben. „Das Leben ist nicht nur eine Episode, sondern es ist uns als Aufgabe gegeben“, lautet sein Motto. Das bedeute für ihn auch mal etwas zu riskieren, etwas wider die Vernunft zu tun. Der deutsche Botschafter Linder sagte in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Frank Weber 2015 in Cochabamba:
„Der Einsatz Frank Webers durchbricht den Teufelskreis des Mangels an Ausbildung, Elend, Armut und dem Fehlen an Perspektiven, an denen tausende Familien leiden.“  Und: „Heute ist es eine der besten Bildungseinrichtungen in Bolivien und Herr Weber wird mit viel Wertschätzung „el loco- der Verrückte“ genannt wegen seines unvergleichlichen Idealismus und unerschütterlichen Mutes. So drücken die Bolivianer ihre Begeisterung und ihre Zuneigung aus für Webers Werk.“ 
 
 
 
Dokumente
GRP_Freundeskreis Frank Weber
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