150 Jahre St. Cyriak, Oberkirch
Das Heiligtum Gottes ist das Leben seiner Kinder – aller und in allen ihren Lebenslagen. Das Heiligtum Gottes ist das Gesicht so vieler, die uns auf unseren Wegen begegnen. (Papst Franziskus, Februar 2016 in Guadalupe, Mexico)
Am 28. Oktober 1866 wurde die Pfarrkirche St.Cyriak durch Mainzer Bischof Wilhelm Emanuel von Ketteler eingeweiht. Ein lange und von manchen Spannungen geprägte Planungs- und Bauzeit fand damit ihren Abschluss.
150 Jahre danach feiern wir dankbar das Kirchweihjubiläum. Es fällt zusammen mit dem „Jubiläum der Barmherzigkeit“, das die Kirche in diesem Jahr begeht. Das Haus Gottes ist ein Ort, an dem wir in der Feier der Gottesdienste und im stillen Gebet der Barmherzigkeit Gottes begegnen. Hier finden wir die Kraft, auf den Straßen unseres Lebens als Menschen der Barmherzigkeit zu gehen und das Heiligtum Gottes heute weiter zu bauen.
Dass in diesem Jubiläumsjahr das Turmkreuz der Stadtkirche erneuert werden muss, soll uns Zeichen und Auftrag sein: Der Liebe unseres Meisters neu Gestalt zu geben, nicht nur auf der Kirchturmspitze, sondern auch in den Herausforderungen unserer Zeit.
Von Herzen wünsche ich uns allen frohe und Mut machende Jubiläumsfeiern in und um die Kirche!
Pfarrer Lukas Wehrle
Geschichte der Pfarrkirche St. Cyriak1866 – 2016
150 Jahre sind für das Leben einer Kirche kein besonders hohes Alter. Eine Kirche war zwar vorhanden, aber sie reichte mit den 300 Plätzen und 15 x 20 m nicht für den Bedarf. Es gab großes Gedränge in der Kirche und viele mussten zum Gottesdienst draußen stehen.
Das Großherzogliche Pfarramt hatte große Mühe, eine Genehmigung für einen Neubau des Gotteshauses zu bekommen. Quertreiber gab es auch damals und die Badische Revolution mit ihren Unruhen war nicht hilfreich für diesen Prozess.
Gleichzeitig hat die damalige Gemeinde Fernach sich stark gemacht, nach der Schließung und Abbruch des Kapuzinerklosters eine neue Kirche an deren Stelle zu bauen, anstatt die alte Pfarrkirche zu vergrößern. Fernach wollte unbedingt wieder eine eigene Kirche haben. Der Freiherr von Schauenburg hat das Grundstück der Katholischen Pfarrgemeinde angeboten. Das Großherzogliche Bezirksamt hat letztendlich aber doch entschieden, die Kirche am alten Platz bauen zu lassen und nach 34-jähriger Planung konnte mit dem Bau begonnen werden. Dekan Weingärtner, seit 12 Jahren Stadtpfarrer von Oberkirch, hat frühzeitig und bevor die der Bauplatz feststand eine Planung in Auftrag gegeben. Am 20. Juli 1863 um 5.00 Uhr wurde zur Grundsteinlegung der Stadtpfarrkirche am Hungerberg mit Böllern geschossen und die Feuerwehrmusik blies dazu.
Die Kirche sollte ein einfacher Baustil sein ohne Stilformen einer anderen Zeit, sie sollte hell und geräumig sein. Sie sollte eine Vorhalle haben, von der aus die Orgelempore und die Galerien Zugang haben und in der die Kirchen-Besucher sich von “Staub und Dreck befreien konnten“.
Am 09. März 1863 wurde auf dem Hochaltar der alten Kirche die letzte Messe gefeiert. Im Herbst 1865 war der Rohbau der neuen Kirche fertig und zu Weihnachten 1865 wurde ein Hochamt im Rohbau gefeiert.
Am 28.10.1866 wurde die Kirche von Bischof Wilhelm Emanuel v. Ketteler eingeweiht. Ein alter Kreuzaltar aus Hagenau im Elsass zierte zunächst die Kirche, bevor 1879 ein neuer Altar im romanischen Stil aus Lindenholz aufgestellt wurde.
Am 3. März 1871 brannte der obere Teil des Turmes bis auf die Grundmauern nieder, die Ursache wurde nie sicher herausgefunden. Das war aber eine Gelegenheit, den alten Turm an die neue Kirche anzupassen und höher zu bauen.
Ab 1954 wurde der Chorraum vollständig neu gestaltet mit Altar, Kreuz, Statuen und Fenster.
In beiden Weltkriegen mussten die Glocken als Rohstoff abgeliefert und ersetzt werden, zuletzt aus eingeschmolzenen Eisenbahnschienen. Erst seit 1985 läuten die heutigen Glocken wieder aus Bronze, laden zum Gottesdienst ein, begleiten uns durch den Tag und tönen über uns am Ende unserer Zeit.
